Prolog – Contravision
Er fand also ein Buch, auf dem in lässiger Teehomer-Schrift das Wort “Gesicht” stand, wo jedoch das “ch” so lässig herumhing, dass es manchmal vor dem “t” und vor dem “i” gleichzeit zu sein schien: “Ges”ch”icht”. Einer brüterischen Comicgroßkatze gleich, blätterte er, wie es nur ein alteingesessener Knacki (Pensionist) tun hätte können, das Buch mit dem Namen “Gesicht” auf und stellte nach der 500.000.000.en Seite fest, dass sich hierin wohl eine jede irrelevente Information, wie etwa, dass Joghurt Johanstochter, ein schwedischer Däne, der eigentlich aus Dschibuti stammt, über jede noch so irrelevante Person zu finden ist. Er tat, was ein anständiger Geschäftsmann nur tun hätte können: er nutzte die Situation aus – oder wollte es! Zu seinem Gunsten selbstverständlich – wollte er zumindest. Doch ehe er etwas wirklich Sinnvolles damit anzufangen wusste, kam ihm noch der Gedanke, gar kein Geschäftsmann zu sein. Nun musste gehandelt werden und er handelte, wie ein echter Mann seines Kalibers (2 cm zu kurz für das Vergnügen einer Frau, Anm.d.Red.) einfach handeln musste: Er beschloss einfach, Geschäftsmann zu sein.
Was konnte schon dabei sein? Ein wenig Eigennutzerei hier, ein wenig Abschreibung dort und nicht zu vergessen mal einfach nichts zu tun, denn das ist das Wichtigste auf der Agenda eines Geschäftsmannes. Genau das tat er. Nichts. Also nichts Besonderes. Nunja, er tat schon etwas Besonderes, aber nicht wirklich etwas Besonderes, sondern war eine vollkommene Nomalität seines Handelns ganz besonders besonders. Er gähnte niesend, was ihm schon im nächsten Moment zuwider war und er beschloss, das nie wieder zu tun. Ganz aufgeregt davon, jetzt ein Geschäftsmann zu sein und endlich mal sehr beschäftigt nichts zu tun während er weiter im Buchladen herumstolperte, fiel ihm nicht einmal auf, dass er das Buch “Gesicht” noch immer in den Händen hielt (wenngleich es mittlerweile voller müdem Rotz war, was ihm zu einem späteren Zeitpunkt noch zum Verhängnis werden sollte).
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Tja, aber ein richtiger Businessman brauchte doch jemanden, der für ihn die Arbeit erledigt, denn sonst wäre er es doch für den er arbeiten würde und nicht der, für den gearbeitet wird. Also blätterte er weiter im Buch der abertausenden Geschichten über Gesichter, um die fleißigsten und wiffesten Untertanen zu finden, die man sich nur vorstellen kann. Aber als er so am Blättern war, wurde ihm langsam klar, dass, wenn das Personal, welches er einzustellen im Sinne führte, zu eifrig oder zu klug war, er nicht lange der Chef bleiben würde und so entschloss er, in seiner ersten Vorstandssitzung nur durchschnittiche Angestellte mit klassichen Minderwertigkeitskoplexen einzustellen, damit er noch länger derjenige bleibt, der die Kohle einsackt. Als ihm – zum eigenen Erstaunen – klar wurde, bereits die Arbeit von jemand anderen zu erledigen, beendet er jegliche Tätigkeit und erinnerte sich an sein ursprüngliches Vorhaben, nämlich die Arbeit jemand anderen erledigen zu lassen. Aber wie würde jemand etwas für ihn erledigen, wenn er selbst nicht einmal jemanden finden konnte, der jemanden finden könnte, der diese ganze Arbeit erledigt?
Da sein Gehirn, welches nicht rund, sondern ausnahmsweise scheibenförmig war, nun am Abgrund, an dem ansonsten der Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, Anm.d.Red.) ins Nichts plätscherte, war, und er, sein Geist und der ganze Rest mit dieser Situation total überfordert waren, entschloss er sich spontan, aus dem Bauch heraus, in einfachster Form und Weise alle lebensunwichtigen Vorgänge auf der Stelle einzustellen (zumindest schon mal etwas das er eingestellt hat), und mit einem fröhlichen Grinsen, mitten in der sonst so ruhigen Bibliothek mit einem lautem “Kawooom” kopfüber in völlige Dunkelheit zu stürzen.
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